PETER MATERNA

PeterMaterna cover web

Album: The Kiss
Label: Jazzline
Vertrieb: Broken Silence
VÖ: 22. Oktober 2021
 
 

Der frühe Morgen ist für Peter Materna die passende Tageszeit, um zu komponieren – wenn die Gedanken klar und die Gefühle unverfälscht sind, weil man gerade erst wach geworden ist und der Alltag mit seinem Druck und Stress noch nicht ein eingesetzt hat. Dann ist der Bonner Saxofonist oftmals in seinem „Komponistenstübchen“ über dem Notenpapier zu finden, um die Jazzmusik zu skizzieren, die er irgendwann später im Studio aufnehmen oder live auf der Bühne spielen will.

 

So auch an diesem frühen Morgen, als er den Feinschliff für eines seiner Stücke machen wollte – hier also noch eine Phrase in der Melodie verändern, dort den Rhythmus etwas verrücken oder einem Akkord noch eine weitere Note hinzufügen. Plötzlich ging die Zimmertüre auf, Maternas Ehefrau kam herein und gab ihrem Mann einen Guten-Morgen-Kuss. Diese Vertrautheit, die Selbstverständlichkeit dieser zärtlichen Geste berührte Materna zutiefst – und er wusste auf einmal den Titel für dieses Stück, an dem er gerade arbeitete, ebenso wie für das komplette Album, das dieses Stück dann eröffnen sollte: „The Kiss“.

 

Obwohl Materna als Saxofonist seit nunmehr 30 Jahren Platten aufnimmt und auf der Bühne steht (20 Jahre davon mit seinem in unveränderter Besetzung existierenden Quartett), so ist dieses Album dennoch etwas Anderes und Besonderes. „The Kiss“ ist während der Corona-Pandemie entstanden, als das gesellschaftliche Leben im Allgemeinen und Kultur im Besonderen nahezu vollständig zum Erliegen kamen, weil das Virus die Gesellschaft fest im Griff hatte. Weil man zu Hause bleiben und auf Distanz zu seinen Mitmenschen gehen musste, um sich nicht anzustecken, hatte man auf einmal mehr Zeit, um Ideen und Pläne zu realisieren, die man vielleicht vorher noch auf die sprichwörtlich lange Bank geschoben hätte.

Sein neues Trio mit der Bassistin Lisa Wulff und dem Schlagzeuger Silvan Strauß, beide 1990 geboren (und beide auch Hamburger Jazzpreisträger*innen – Wulff 2019 und Strauß aktuell 2021), hat Materna, 1965 geboren, also während der Corona-Zeit an den Start gebracht hat. Wulff und Strauß gehören jedenfalls einer anderen Generation von Jazzmusiker*innen in Deutschland an als Materna, sie sind anders ästhetisch, stilistisch und auch musikalisch sozialisiert als noch ihr Bandleader. Zwar haben sie, wie viele andere Musiker*innen zuvor schon, sich die Jazzhistorie europäischer und US-amerikanischer Prägung einverleibt. Doch für Wulff und Strauß ist Jazz zuallererst eine Haltung, mit der sie anderen, auch Jazz-fernen Gattungen begegnen, um diese wie selbstverständlich in ihren jeweils eigenen Kreativ-Kosmos einzuverleiben; sei es bei ihren eigenen Projekten wie beispielsweise dem Lisa Wulff Quartett oder Strauß mit seiner Band ToyToy, oder als Side(wo)man für andere Musikerinnen und Musiker – Wulff als Bassistin im Quartett des mittlerweile über 90-jährigen Klarinettisten Rolf Kühn zum Beispiel, oder Strauß als Schlagzeuger für die portugiesische Sängerin Maria João.

 

Schreibt und spricht man über Peter Materna, so muss man auch auf das Jazzfest Bonn eingehen. 2010 ging dieses von Materna gegründete und seitdem erfolgreich geleitete Festival an den Start, es hat sich seitdem mit seinen nunmehr zehn Ausgaben fest auf dem internationalen Jazzcircuit etabliert. Über seine Arbeit als künstlerische Leiter für das Jazzfest hat Materna vor allem aber die Möglichkeit bekommen, gleichsam aus erster Hand zu erfahren, was die Szene aktuell umtreibt, welche Trends gerade hip sind oder woran und womit die jungen Instrumentalist*innen momentan experimentieren.

 

Diese Erfahrungen finden ihren Nachhall natürlich in den neun Stücken, die auf das Album „The Kiss“ gekommen sind. Stücke, in denen Wulff und Strauß beständig in die wie zufällig aufklaffenden Lücken spielen und so einen engmaschigen Groove-Teppich knüpfen, den Flow des Beats oftmals stauchen und dehnen, um die Eins stets aufs Neue zu verschleiern, oder Schlieren aus aktueller Popmusik in das ästhetisch vielschichtige Setting einarbeiten, um das Fundament von Maternas Jazzmusik per se immer wieder unter Spannung zu setzen.

 

Materna geht deshalb ganz ins Risiko und wirft alle Taue über Bord, um sich mit dem Saxofon frei von Zwängen ganz auf den Moment konzentrieren, in dem die Musik entsteht. Und weil der studierte Sopran- und Altsaxofonist vor gut zehn Jahren das Tenorsaxofon hinzunahm, hat er nun die Möglichkeit bekommen, nicht nur eloquent phrasierend seine Geschichten zu erzählen, sondern auch kunstvoll und locker seinen Ton zu modulieren, um seinem Spiel größtmöglichen Ausdruck und Emotionalität zu geben. Ein Gefühl von Freiheit und Wahrhaftigkeit ist es, was uns Materna, Wulff und Strauß mit ihrer stilistisch „entgrenzten“ Jazzmusik mitgeben.

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