STEPHANIE LOTTERMOSER

Lottermoser cover web

Album: Hamburg
Label: Leopard
Vertrieb: Broken Silence
VÖ: 5. März 2021
 

Im Jazz und der improvisierten Musik sind rurale und urbane Destinationen seit Dekaden inspirierende narrative Impulsgeber. Ob für Standards wie Harlem Nocturne, April in Paris, Moonlight in Vermont und London Blues oder gar für ganze Alben wie In Angel City von Charlie Haden, Hudson von Jack DeJohnette, New York Tango von Richard Galliano oder Miles Davis Sketches of Spain, stets waren es die mal eng, mal weiter gesteckten geographischen Koordinaten, die als Katalysatoren die kreativen und imaginativen Kräfte befeuerten.

 

Stephanie Lottermosers neues Album Hamburg, fulminanter und mit Spannung erwarteter Nachfolger von This Time, das es in 2018 bis auf Platz 2 der deutschen Jazzcharts geschafft hat und dem die Jazzthing attestierte, federleichte Songs (…), die alle über einen bemerkenswerten Tiefgang verfügen, auf sich zu vereinen, könnte man zweifelsfrei in diesen Kanon aufnehmen, gäbe es da nicht die kleinen, aber feinen Unterschiede, die Hamburg ganz entscheidend von den genannten Titeln abheben: die autobiografischen Elemente der Erzählung und die Gedanken der Musikerin zu relevanten gesellschaftlichen Themen unserer Zeit, die die Architektur der Songs wesentlich mitbestimmt haben. Hamburgdas Album - schaut also nicht nur auf die Stadt selbst, sondern lässt den Blick weiter schweifen, tief ins Land hinaus.

„Ausgestattet mit einem Vollstipendium durfte ich vor einigen Jahren sechs Monate in Paris verbringen und habe das Flair und die Internationalität dieser  Metropole erleben können. Mein Album Paris Songbook ist in dieser Zeit entstanden. Als ich nach München zurückkam, erschien mir die Stadt schnell als zu klein und ich hatte das Bedürfnis, mich zu verändern. Kurz habe ich an einen Umzug nach Berlin gedacht, mich dann aber für Hamburg entschieden, das ich von einigen Besuchen bereits kennen und lieben gelernt hatte. Im September 2018 machte ich mich mit zwei gepackten Koffern auf den Weg an die Elbe und habe den Umzug bis heute nicht bereut“, erzählt die Saxofonistin. 

 

Die freundliche  Aufnahme durch die Hamburger Szene und der schnelle und problemlose musikalische Anschluss – ein Interviewangebot der NDR Jazzredaktion und eine Einladung zu den Jazz Open durch das Jazz Büro Hamburg folgten fast sofort – bestätigten die Richtigkeit der Entscheidung. 

 

Die Szene in Hamburg ist unglaublich aufgeschlossen, offen und unterstützend, kaum einer schaut ausschließlich auf sich selbst. Ich fühlte mich sofort sehr willkommen und herzlich aufgenommen“, freut sich Stephanie Lottermoser.

 

Hamburg ist nun das erste Album, das Stephanie Lottermoser in Gänze in ihrer neuen Heimat geschrieben und arrangiert hat. Aufgenommen wurde es dann im Frühjahr 2020 im Bonello Tonstudio in Berlin unter der Regie von Tobias Ober. Die Production-Credits gehen an Gitarrist Lars Cölln, der auch für das Mixing des Albums zuständig war. 

Herausgekommen ist eine grandios kurzweilige und angenehm an den Livesound der Band angelehnte Platte, auf der Elemente des Funk, Jazz, Pop und Soul so famos miteinander verwoben werden, wie man es nur sehr selten auf nationalen Produktionen zu hören bekommt. Weit entfernt von jeglicher unterkühlt-akademischer Jazz-Arithmetik geht schon gleich die mega-funky Eröffnungsnummer Cory ganz schön schweißtreibend und ordentlich in die Beine. Gewidmet ist die Nummer übrigens dem Vulfpeck-Mastermind Cory Wong. 

 

Morgen (Hamburg), darf als musikalischer Willkommens-Gruß der Komponistin an sich selbst und an die Stadt, die vielleicht zur zweiten Heimat werden wird, gelesen werden. Mit cinemaskopischer Kraft evoziert die Ballade Bilder von schwebendem Morgennebel über dem träge dahingleitenden Strom im Kopf des Hörers. Leise plätschern die Wellen ans Ufer und Wasservögel versuchen sich an den ersten frühen Tönen des Tages. Dann, zunächst nur tastend, nimmt der Puls der erwachenden Stadt langsam aber stetig  Fahrt auf und die letzten Schleier der Nacht lösen sich auf im Nichts. 

 

Wahrscheinlich der schönste Soundtrack, um bei Sonnenaufgang in Övelgönne im Elbstrandsand sitzend den Schiffen beim vorbeiziehen zuzuschauen.

What Kind of Lovesong – die erste von drei Gesangs-Nummern auf dem Album – thematisiert den Neuanfang in der Hansestadt, eine positive Grundhaltung zu Veränderungen im Leben und die Lust auf Neues. Ein wunderschön relaxter Shuffle in dem die Hammond leise „growlt“, der Bass locker schiebt, das Sax eine traumhafte Melodie gen Abendhimmel sendet und das erdige Gitarrensolo geradewegs dem Urschlamm der Elbe entstiegen scheint.

 

Karma spielt hernach mit Klangfarben. Reverb und Halleffekte kolorieren und schraffieren eine Leinwand, auf der sich Sax und Rhodes pastellzart umgarnen. 

Hype mit seinem fast schon hymnischen Duktus verströmt Spiritualität, Kraft und enorme Energie. Mit einem eruptiven Solo von Lars Cölln erreicht der Spannungsbogen der Komposition seinen Kulminationspunkt, um dann auf leisen Piano-Tupfern sanft zur Landung anzusetzen. 

 

Der aufregende Stilpluralismus von Hamburg geht direkt auf den positiven Einfluss des neuen Lebensmittelpunktes zurück. Die schöne Gewissheit, sich dort richtig aufgehoben und zuhause zu fühlen, obwohl sie doch gerade erst in der neuen Stadt angekommen war, das hat bei der Saxophonistin, Sängerin, Komponistin und Arrangeurin Gedanken und Ideen freigesetzt und schlussendlich den Wunsch geweckt, einmal musikalisch Neues zu probieren.

 

Da passt es gut ins Bild, dass Stephanie Lottermoser mit Within vom französischen Elektro-Duo Daft Punk und Dreaming My Dreams With You von Country-Ikone Waylon Jennings zwei Fremdkompositionen ins Programm genommen hat, die man nicht unbedingt in einem jazzmusikalischen Kontext erwartet hätte.

 

Ich mag das ganze Random Access Memories-Album von Daft Punk aber Within mit dieser wunderbaren Textzeile There are so many things that I don't understand passt gerade so gut in diese Zeiten und zu meiner Gefühlslage. Die aktuellen Geschehnisse werfen so viele Fragen auf und es scheint so, dass wir im Finden von Antworten kaum hinterherkommen.“

 

„Dreaming My Dreams With You von Waylon Jennings mochte ich schon immer. Die Uneindeutigkeit des Textes, der Raum für Interpretationen lässt, hat mir gefallen. Man erfährt nicht zweifelsfrei, ob es um durch Liebeskummer ausgelösten Herzschmerz geht oder ob er durch etwas anderes ausgelöst wird“, erklärt Stephanie Lottermoser.

So spannend und abwechslungsreich und doch ganz bei sich selbst war die gebürtige Wolfratshausenerin bislang noch nicht zu hören! 

 

Mit Hamburg im Gepäck und mit Gitarrist Lars Cölln (Flo Mega, Malia, Max Mutzke, Wolfgang Niedecken), Schlagzeuger Felix Lehrmann (Sarah Connor, Nils Wülker, China Moses, Randy Brecker), Bassist Thomas Stieger (Sarah Connor, Klaus Doldinger, Wolfgang Haffner, Nils Landgren) und Keyboarder Till Sahm (Cosmo Klein & The Phunkguerilla, The Marvin Gaye Show, Silbermond), den fantastischen Musikern, die seit zwei Jahren ihre Working-Band bilden, dürfte sich Stephanie Lottermoser jetzt zweifelsfrei in die absolute Premiumklasse der nationalen Acts gespielt haben. 

Thorsten Hingst

1. Cory / 2. What Kind of Lovesong / 3. Karma / 4. Hype / 5. Zwischenraum / 6. Morgen (Hamburg) / 

7. Letter to the Innerchild / 8. Within (Daft Punk / Thomas Bangalter, Arr. Lottermoser) / 9. Gate A5 Geneve

10. Prayer / 11. Dreaming My Dreams With You (Allen Reynolds / Waylon Jennings, Arr. Lottermoser)

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