JIM BEARD / JON HERINGTON

Beard Herington Cover web
Album: Chunks & Chairknobs
Label: Jazzline
Vertrieb: Good To Go
VÖ: 15. November 2019
 

Auf "Chunks and Chairknobs" ihrem ersten Duo-Projekt, erforschen die beiden Veteranen JIM BEARD und JON HERINGTON gemeinsam die besondere Chemie ihrer Musik. Dieses Album ist ein einzigartiges Klavier-Gitarren Projekt, das ganz natürlich ihr Interesse an Rock, Pop, Bossa, Blues und Jazz zu einem einheitlichen Ganzen verbindet und dabei auch ihrer langjährigen Erfahrung als Mitglieder von Steely Dan Rechnung trägt. 

Es ist ja zu erwarten gewesen, dass der Pianist Jim Beard und der Gitarrist Jon Herington während dieses intimen Duo-Zusammentreffens einen ganz besonderen Ton anschlagen würden.

Die beiden haben im Lauf der Jahre viele Stunden damit zugebracht, im Aufnahmestudio zu den Alben des jeweils anderen beizutragen. Das begann schon 1990 mit Beards Debütalbum Song of the Sun und zog sich durch bis zu Time On My Hands, Heringtons Album aus dem Jahr 2012. Sie haben auch als Sidemen anderer Musiker zusammengearbeitet, etwa auf Aufnahmen des Bassisten Victor Bailey, der Saxophonisten Bill Evans und Bob Berg, des Drummers Dennis Chambers sowie der Brüder Michael und Randy Brecker. Darüber hinaus sind die beiden seit langem mit Steely Dan auf Tour – Herington seit 20 Jahren und Beard seit 11 Jahren. „Es gibt so viele Aufnahmen, Auftritte und gemeinsam verbrachte Zeit. Auch haben wir, seit wir nach New York gekommen sind, also etwa seit 1987, dasselbe Studio“, so Herington über ihre langjährige musikalische Partnerschaft.

 

Dieser Text entstand kurz nachdem Beard und Herington von einem dreiwöchigen Aufenthalt mit Steely Dan im Venetian Hotel in Las Vegas zurückgekommen. Auch die Aufnahmen zu ihrem hervorragenden Duo-Album hatten sie gerade erst abgeschlossen. Und obwohl Gitarre und Klavier nicht gerade als ideale Partner für ein Duett bekannt sind, ist es diesen beiden begabten Musikern gelungen, den Klang ihrer Instrumente im Studio harmonische zu verbinden, dabei die Rollen ohne Mühe zu tauschen, sich gegenseitig zu unterstützen und ganz nebenbei auch noch melodische Perlen und brillante Soli abzuliefern.

„Nicht alles von dem was auf dem Album zu hören ist, ist spontan entstanden“, klärt Beard auf. „Wir mussten gut darüber nachdenken, wer was machen würde, da unsere Instrumente ja nicht die einfachste Kombination für ein Duo bilden. Es ist viel schwieriger als beispielsweise mit Gitarre und Bass, Klavier und Saxophon oder Gitarre und Saxophon. Unsere beiden Instrumente erfüllen in der Gruppe ähnliche Funktionen, vor allem was die Akkorde angeht. Daher hat es eine Weile gedauert herauszufinden, wie wir unser Zusammenspiel am besten organisierten können.“

„Es ist in der Tat schwierig, die beiden Instrumente gut zusammenspielen zu lassen“, ergänzt Herington. „Da die Instrumente ähnliche Rollen besetzen, ist es ein echtes Problem festzulegen – Wer spielt die Bass Partie? Wer gibt den Takt vor? Also mussten wir herumexperimentieren bis wir eine ideale Struktur gefunden hatten. Das hat einige Zeit in Anspruch genommen.“

Das ultimative Vorbild für Gitarren-Klavier Duos sind natürlich Jim Hall und Bill Evans (mit den empfehlenswerten Alben Undercurrent aus 1962 und Intermodulations aus 1966). Beard und Herington entziehen sich aber einem direkten Vergleich mit diesen, da sie einen völlig anderen Weg für ihr Album Chunks and Chairknobs gewählt haben. „Die Arbeiten von Bill Evans und Jim Hall sind tatsächlich meine Lieblingsbeispiele für gelungene Klavier-Gitarren-Kombinationen“, bekennt Herington. „Uns ist natürlich bewusst, wie großartig diese beiden Alben sind. Ich habe mich sehr intensiv damit beschäftigt und sie sind einfach fantastisch. Aber wir sind ganz andere Musiker als es die beiden. Das wird besonders bei der Auswahl der Stücke deutlich, die wir für unser Album ausgesucht haben. Die Nummern sind nicht die Art Jazzstücke, wie sie Jim Hall und Bill Evans jemals gespielt hätten. Dadurch gehören wir einer ganz anderen Kategorie an. Je mehr Stücke wir ausgewählt hatten, von denen wir dachten dass sie gut funktionieren würden, umso sicherer wurden wir unserer Sache.“

Wenn man tiefer in Chunks and Chairknobs eintaucht wird deutlich, dass die lange Zusammenarbeit mit Steely Dan sowohl bei Beard als auch bei Herington deutliche Spuren hinterlassen hat. Ihre technische Genauigkeit und das Gespür dafür, wie komplexe Harmonien und Akkorde am besten in einen Song einzufügen sind, erinnert an Dan. Aber Beard und Herington lassen auch etwas ganz eigenes in ihr Programm einfließen, dass sie von anderen abhebt. Beard, ein ausgesprochen kreativer Geist mit leicht subversivem Charakter, hat einen breiten musikalischen Erfahrungsschatz, aus dem er Inspirationen schöpfen kann. Der klassisch ausgebildete Pianist studierte Arrangement bei Don Sebesky und Klavier bei Sir Roland Hanna und George Shearing. Beard, der Lieblings-Keyboarder von John McLaughlin, Wayne Shorter und John Scofield, ist auch ein begabter Komponist, dessen Stücke auf Alben von Michael Brecker (Don’t Try This at Home aus 1988, Now You See It…Now You Don’t aus 1990), McLaughlin (Adventures in Radioland aus 1987), Bob Berg (In the Shadows aus 1990, Riddles aus 1994) und Bill Evans (Escape aus 1996, Starfish and the Moon aus 1997) zu finden sind. Als weithin respektierter Producer hat er elf Alben des Gitarristen Mike Stern, Projekte des Drummers Dennis Chambers, des Trompeters Michael „Patches“ Steward, des Violinisten Didier Lockwood, der Pianistin Eliane Elias, des Trompeters Randy Brecker, sowie der Saxophonisten Berg und Evans erfolgreich begleitet. Sein kompositorisches Können zeigt sich besonders deutlich auf den fünf Alben, die er als Leader abgeliefert hat —Song of the Sun (1990), Lost at the Carnival (1994), Truly (1997), Advocate (1999) und Revolutions (2008).

Herington, ein begnadeter Begleiter, Rhythmusgitarrist voll Soul und charaktervoller Solist, hat sein Können auf Alben von Steely Dan (Two Against Nature aus 2000, Everything Must Go aus 2003), Donald Fagen (Morph The Cat aus 2006, Sunken Condos aus 2012), Walter Becker (Circus Money aus 2008) und Madeleine Peyroux (Secular Hymns aus 2016), und auf seinen fünf eigenen Alben als Leader — The Complete Rhyming Dictionary (1992), Like So (2000), Pulse and Cadence (2008), Shine, Shine, Shine (2010) und Time On My Hands (2012), bewiesen.

Alle diese Qualitäten — Steely Dans Geschicklichkeit, kombiniert mit einer offensichtlichen Begeisterung für Rock und eine Hochachtung für die Jazztradition — bringen Beard und Herington als perfektes Team auf Chunks and Chairknobs exzellent zur Geltung. „Wir hatten zu Beginn ja gar nicht die Absicht ein Album aufzunehmen,“ erinnert sich Beard. „Etwa vor zweieinhalb Jahren haben wir auf einer kurzen Tour durch die US-Mittelatlanikstaaten ausprobiert, ob unser Konzept überhaupt funktionieren kann. Das Ganze war ein ziemlicher Erflog. Vielmehr noch, ein Agent aus Europa meinte sogar, er könnte eine Tournee für uns organisieren, falls wir ein Album herausbringen würden. Also haben wir uns entschieden, eines zu machen.“

Ihre ganz eigene Interpretation der Klavier-Gitarren-Kombination wird schon ganz zu Beginn der schwungvollen Titelnummer von Chunks and Chairknobs deutlich, die mit einer an Monk erinnernden Klavierfigur eröffnet, gefolgt von übermütigem Barrelhouse aus New Orleans, verbunden mit einer Spur von Ragtime. Man muss sich das so vorstellen: Scott Joplin trifft auf Professor Longhair und Thelonious Monk ist zu Gast in Erroll Garners Haus. Ursprünglich war dies eine Nummer für die ganze Band und ist in dieser Version auch auf Beards Album Lost at the Carnival aus 1997 zu finden. Hier ist das Stück zu einer überzeugenden Duo-Nummer weiterentwickelt. „Man erkennt darin schon einige Echos des alten New Orleans Stils“, sagt Herington, „aber es enthält auch viel von der verrückter Welt, in der Jim seine Stücke schreibt. Gerade das macht die Nummer so unterhaltsam.“

Herington, der schon in der Originalversion dieses Tunes mitgespielt hat, trägt nun ein besonders soulvolles Gitarrensolo bei. „Jim bestand darauf: ‚Es muss wilder sein! Lustiger!‘ Also musste ich einige Saiten ordentlich strapazieren und versuchen durch scooping und sliding mehr Leben hineinzubringen. Das Stück einfach so zu spielen wie es war, wäre zu wenig gewesen. Also habe ich mehr Ausdrucksstärke hineingelegt, wie man es sonst eher aus Blues und Rock kennt.“

Heringtons „Double Blind“, ein tiefgründiges Stück mit stark melancholischem Einschlag, wurde 1992 ursprünglich für eine auf Japan beschränkte Veröffentlichung geschrieben. „Es war eines jener Stücke, die am besten für unser Duo-Projekt geeignet schienen. Es war auch eines der Stücke, die Jim besonders gefielen. Ich glaube, es war die etwas dunklere Grundstimmung, die ihn besonders angesprochen hat.“

 „Es ist eigentlich ein neuer Name für einen alten Song“, erklärt Beard. „Der ursprüngliche Titel war ‚Behind the Mask‘ und fand sich auf Jons The Complete Rhyming Dictionary. Er brachte dieses Album 2008 unter dem Titel Pulse and Cadence neu heraus und änderte den Namen des Songs von ‚Behind the Mask‘ zu ‚Double Blind. ‘ (Auch Heringtons funky „Woopie Tie-O,“ das ursprünglich auf dem 1992er Album zu finden war, wurde für Pulse and Cadence in „Hope and Woe“ umgetauft und ist hier in einer abgespeckten Duo-Version zu hören.)

Die beiden Partner in diesem Duo-Projekt gaben auch den vier Coverversionen, die auf dem Album versammelt sind, einen neuen Dreh. Ihre Version von „Baubles, Bangles and Beads” kommt mit einem Touch von Boss Nova daher, wie man es von Frank Sinatra in dessen Version für das 1967er Album Francis Albert Sinatra and Antonio Carlos Jobim (ohne die opulente Orchestration von Claus Ogerman) kennt. In diesem Stück legt Herington an seiner Gitarre einige heftige brasilianische Rhythmen an den Tag, während Beard mit seiner hintergründigen Phrasierung der verführerischen Melodie Ol’ Blue Eyes’ nacheifert.

In ihrer gesprächsartig aufgebauten Version von Bill Evans Komposition „Loose Blues” übernehmen Beard und Herington abwechselnd Aufgaben der Rhythmussektion. „Näher als hier kommen wir dem Jim Hall-Bill Evans Vibe auf diesem Album nicht“, sagt Herington. Das Stück vermittelt wirklich etwas von diesem speziellen Kammerjazz-Gefühl der späten 50er und frühen 60er Jahre. Die Melodie klingt beinahe klassisch…beinahe pointilistisch und mit untypischer Phrasierung. Es fühlt sich stellenweise an wie ein durchkomponiertes Stück, ist dann aber doch auch wieder sehr jazzig. Es macht einfach großen Spaß dieses Stück zu spielen.”

Die komplexe, von Kontrapunkten angefeuerte Version von „Can’t Help Lovin’ Dat Man,” aus dem Jerome Kern-Oscar Hammerstein II Musical Showboat, ist basiert auf einem Arrangement, das Bears für Bob Bergs 1990er Album, Virtual Reality erstellt hat. „Die meisten Interpretationen dieses Songs sind recht verträumt und langsam“, erklärt er, „also war es unsere Idee hier etwas völlig anderes daraus zu machen.“ Herington zeigt darin einige an Benson erinnernde flurries in ihrer Version dieser Shownummer. „Ich bin immer noch der Meinung, dass George Benson einer der größten amerikanischen Gitarristen ist“, so Herington. „Für mich steht er an der Spitze der Pyramide. Wenn das Stück also ein bisschen an seine Art zu spielen erinnert, dann freut mich das. Ich bin ein großer Benson-Fan. Er spielt überraschend lyrisch und bei ihm klingt alles unglaublich einfach. Er hat die ganze Zeit ein Lächeln auf den Lippen und alles erscheint geradezu lächerlich einfach. Es ist absolute Magie.“ Henderson lässt sein technisches Können auch in seiner eigenen Komposition „Hope and Woe” und in Beards ruhigem „Hand to Hand” - das der Pianist ursprünglich für sein 1997er Album Truly aufgenommen hat - sehen.

Ihre Interpretation von „Gaucho“, einer von Steely Dans beliebtesten Nummern und Title-Track des 1980er Albums, bleibt ziemlich nahe am Original. „Am Arrangement mussten wir nicht viel verändern“, so Beard. „Das Stück ist gut durchkomponiert. Es hat nicht die für Pop-Songs typischen 8- oder 16-Takt-Gruppen. Es ist in diesem Sinn fast das Gegenteil von Songs wie ‚Peg. ‘ Aus einem langen Vers entsteht eine Chorsequenz, darauf folgt ein Zwischenspiel. Es hat eine einzigartige Struktur. Wir mussten es einfach solange üben und spielen, bis es sich richtig gut angefühlt hat.“

„Wir bewundern, wie gut das Stück geschrieben ist“, fügt Herington hinzu. „Wir haben daher nie wirklich daran gedacht es neu zu arrangieren. Jim hat nur ein paar Kleinigkeiten verändert, vor allem, weil wir nur zu zweit sind und mehrere Partien übernehmen müssen. Daher spiele ich auch einige Ausschmückungen, die in der ursprünglichen Aufnahme vom Saxophon übernommen wurden. Aber wir waren einfach der Meinung, dass die Komposition so gut gemacht ist und wir uns am besten an die Noten und die Melodie halten sollten, wie Donald sie gespielt hat.“

Das zutiefst fesselnde Projekt Chunks and Chairknobs ist eine gekonnte Zusammenstellung von Einflüssen aus Rock, Pop, Bossa, Blues und Jazz, umgesetzt von zwei erfahrenen Profis, deren Empathie und gegenseitiges Verständnis tief verwurzelt sind. — Bill Milkowski 

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