TIMELESS ALLSTARS

TimelessAllstars web
Album: At Onkel Pö 1982
Label: Jazzline
Vertrieb: Good To Go
VÖ: 8. März 2019
 

Von der Energie, die ewig hält

Das war natürlich zunächst mal ganz wörtlich gemeint - zeitlos, „timeless“ also, sollte die Musik dieses Ensembles sein, immer wieder wiederhörenswert unabhängig von den jeweiligen Moden des Augenblicks. Sie alle, die sich unter diesem Label versammelten, hatten in unterschiedlichsten Bands über Jahre und Jahrzehnte hin bewiesen, dass sie genau diesen „main-stream“-Sound des Jazz beherrschen: der Saxophonist Harold Land und der Posaunist Curtis Fuller sowie Bobby Hutcherson am Vibraphon, begleitet von einer Rhythmusgruppe, die immer viel mehr war als das – Cedar Walton am Klavier, der Bassist Buster Williams und mit Billy Higgins einer der herausragenden Schlagzeuger des Jazz. Das Etikett stimmte unbedingt: „All Stars“ waren das – alle Meister des jeweiligen Fachs.

Zugleich aber ist dieses Sextett stets eine Art Session-Band gewesen, zusammen gestellt mit gelegentlichen personellen Veränderungen für Konzerte und Tourneen des holländischen Jazz-Promoters Wim Wigt; der betrieb gemeinsam mit der Konzert-Agentur Mitte der 70er Jahre auch eine Plattenfirma, die er „Timeless“ genannt hatte. Viele der Aufnahmen für die kleine Firma in Wageningen wurden live eingespielt, am Rande der Tourneen – insofern steht die NDR Aufzeichnung des Hamburger Auftritts der „Timeless All Stars“ im April 1982 in „Onkel Pö’s Carnegie Hall“ auch in der Tradition des ehedem holländischen Produzenten.

Und zwei der Meister von damals könnten sogar noch eingeladen werden zur Veröffentlichung der Musik heute – Curtis Fuller, vom Jahrgang 1934 und aus Detroit, war schon Mitte der 50er Jahre, als Twen also, an der Seite von Miles Davis, John Coltrane und Jimmy Smith zu hören, spielte später aber auch bei Dizzy Gillespie, Art Blakey und Count Basie: ein „Allrounder“ ist er lebenslang geblieben. Buster Williams aus Camden in New Jersey ist der Jüngste gewesen an jenem Abend im „Onkel Pö“, gerade hat er damals den 40. Geburtstag gefeiert. Bei ihm müsste wahrscheinlich umgekehrt erkundet werden, mit wem er nicht gespielt hat – er blieb einer der vielseitigsten Bassisten mit ausgeprägt eigenem, kraftvollen Ansatz, den er gern auch solo ins Feld führt. Buster Williams gehört zu den Musikern, die mit dem akustisch oft schwierigen Instrument tatsächlich ein Ensemble zusammen halten konnten; und, das beweisen jüngere Aufnahmen, er kann das immer noch.

Das gilt auch für Cedar Walton am Klavier – auch seine Energie, solistisch wie im Ensemble, stiftet Gemeinsamkeit. Als Begleiter, „sideman“ also, gehörte er sicher zu den meistpublizierten Klavier-Virtuosen überhaupt; der Texaner vom Jahrgang 1934 spielte in den 50er Jahren schon im „Jazztet“ um Art Farmer, Benny Golson und Gigi Gryce, danach ging dann auch er (wie ungezählte andere) durch Art Blakeys „Jazz Messengers“-Schule, als dort auch Freddie Hubbard und Wayne Shorter zum Ensemble gehörten. Den Geist dieser Moderne hatte er sich bewahrt, bis zu seinem Tod 2013 in New York.

Viel zu früh, schon 2001, musste die Jazzwelt Abschied nehmen vom Schlagzeuger Billy Higgins; er wurde nur 65 Jahre alt, hat aber mit „World Stage“ ein bedeutendes Ausbildungsprojekt für junge Musiker und Musikerinnen hinterlassen. Und Higgins hatte den weitesten Horizont unter den „Timeless All Stars“ durchmessen – vom Rhythm’n’Blues der frühen, jungen Jahre bis zu Ornette Coleman und Don Cherry. Die vier sehr ausführlichen Titel aus dem „Onkel Pö“ erzählen viel auch von der weiten Welt des Billy Higgins.

2001 starb auch Harold Land, sicher der am wenigsten bekannte Star im „Timeless“-Ensemble. Er nahm den gleichen weiten Weg wie Higgins, von der Tradition bis in die Moderne – und gehörte zu einer der legendären Gruppen des Hardbop, die Max Roach und der kurz darauf früh verstorbene Clifford Brown gegründet hatten. Oft haben sich Lands Wege mit denen des Vibraphonisten Bobby Hutcherson gekreuzt – der hatte sich vor der Zeit mit den „Timeless All Stars“ (und nach der instrumentalen Initiation durch Milt Jackson) sicher schon am weitesten in die Moderne vorgewagt, und er hat auch einen sehr speziellen, kraftvollen Ton Vibraphon-Spiel gebracht. 2016 ist Bobby Hutcherson gestorben.

Jeder im Sextett bringt viel vom eigenen Profil mit in die Musik der „Timeless All Stars“; schon durch die jeweils eigenen Kompositionen. Jeder hat auch viel Zeit, das Eigene zu entwickeln; Solo reiht sich an Solo – und das, was alle eint, entwickelt sich Chorus um Chorus mit: das Verständnis für die kraftvoll swingende Musik einer Epoche, die mit aller Energie den Zauber der oft schier unendlichen Improvisation propagierte, ohne dabei das Fundament, die rhythmisch-harmonische Basis unter den Füßen und aus dem Sinn verlieren zu wollen.

Wer zeitgenössischen jungen Musikerinnen und Musikern zuhört, wie sie sich heute mit eigenen Profilen aus den Hochschulen auf den Markt begeben und sich durchzusetzen versuchen, der wird viel wieder finden von dieser Tradition der Alten. Die war und blieb wohl tatsächlich „timeless“: zeitlos, irgendwie.

Michael Laages 

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